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Geschichte des Erlebens

In der Alten Zeit waren wir überwiegend im Außen beschäftigt. Seit Beginn unserer Zeitrechnung ziehen abwechselnd Hungersnöte, einfallende Feinde oder Epidemien durch unser Erleben. Man sagt, dass schwerwiegende seelische Einschnitte drei Generationen zur Heilung benötigen. In der Alten Zeit konnte eine seelische Wunde kaum heilen, bevor das nächste Unheil eintraf.

Pünklich zum Anbeginn der Neuen Zeit ist es uns gelungen: Seit nunmehr drei Generationen leben wir in einem äußerlich friedlichen Land! Es ist dieses ein Grund, warum unser Bewusstsein derzeit so schnell wächst. Heilung geschieht von selbst, solange wir uns keine neuen Verletzungen zuziehen.

«Ich erlebe …» ist der sprachliche Ausdruck des eigenen Bewusstseins. Durch dem Einzug der Römer und der katholischen Kirche wurde Latein zur herrschenden Schriftsprache. Die Römer hatten kein Wort für ‹erleben› und verwendeten die Umschreibung in vita videre = «im Leben sehen» für das eigene Wahrnehmen.¹ Noch heute sagen die Engländer/innen eben dieses «to live to see» für ‹erleben›. Sie unterscheiden nicht ‹erleben› von ‹erfahren› und sagen für beides: to experience, mit dem zugleich auch eine ‹Praxis›, eine ‹Sachkenntnis› und (in der Versicherung) ein ‹Schadensverlauf› benannt wird. Bis heute verweist uns das Wort ‹erleben› auf die äußere Welt, obgleich wir zugleich in der inneren, für die fünf elementaren Sinne unbegreiflichen, leben.

Jacob Grimm gelang noch die Fertigstellung der Einträge unter dem Buchstaben ‹E› für das mit seinem Bruder begonnene Wörterbuch, bevor er 1863 verstard. Er schrieb zum ‹Erleben›: «Luther, und seit ihm andere, brauchen häufig erleben …».² Wie bei Christoph Ernst Steinbach auch, war ‹Erleben› damals in der Regel ein Wahrnehmen äußerlicher und körperlicher Geschehnisse.¹ Heute führt das freie Online-Wörterbuch Wiktionary als eines von zwei Beispielen zum ‹Erleben› an: «Mit dir habe ich viel Leid, aber auch überschwängliche Freude erlebt». Es hätte auch schreiben können: «In mir habe ich viel Leid und auch überschwängliche Freude erlebt». Vom Wesen des Erlebens her ist sein Gegenwort: ‹unbewusst› und weniger: ‹verpassen›.³

Wo Martin Luther 1545 noch übersetzte: «Des morgens wirstu sagen / Ah / das ich den abend erleben möchte / Des abends wirstu sagen / Ah / das ich den morgen erleben möchte» (5. Mose 28.67) steht in der Luther-Fassung von 1912 und auch in der heutigen Einheitsübersetzung: «Am Morgen wirst du sagen: Wenn es doch schon Abend wäre!, und am Abend: Wenn es doch schon Morgen wäre!» ‹Erleben› ist in der Bibel selten. Für den (von Gott getrennten) Menschen ist es zumeist ein greuliches oder sündhaftes Wahrnehmen; erst in der Gegenwart Gottes oder der damaligen Person Christi wird Erleben erhaben.4 Kaum jemals verweist das Wort ‹erleben› die Hörer und Leser der Bibel auf das eigene innere Wahrnehmen. Niemals wird das Erleben von Gott im eigenen Inneren auch nur angedeutet. Als Strafe für diese Wahrnehmung stand der qualvolle und zumeist öffentliche Tod. Wir Menschen der heutigen Zeit brauchen uns keinen Vorwurf zu machen, dass wir das eigene innere Erleben erst heute entdecken – alle Obrigkeit hat uns 2000 Jahre lang davon ferngehalten.

1: Christoph Ernst Steinbach (1698 bis 1741, Arzt und Lexikograph) übersetzt ‹erleben› mit pervivere = fortleben sowie vivere = leben: «Erlebt, praes. ich erlebe pervivo. Das höchste Alter erleben; er hats erlebt; das Jahr erleben; das fünfzigste Jahr erlebt haben; der das achtzigste Jahr erlebt; die Zeit erleben; wir haben die Zeit erlebt; wer noch einige Jahre erleben wird; er hat große Freude an seinen Kindern erlebt; ich möchte den Abend nicht erleben» [Vollständiges Deutsches Wörterbuch, Breßlau, 1734, Seite 1007]

2: Auszug aus dem Grimmschen Wörterbuch und Zitate aus der Bibel nach der deutschen Überstzung von Dr. Martin Luther (1483 bis 1546): «des morgens wirstu sagen, ah, das ich den abend erleben möchte. 5 Mos. 28, 67; meine tage sind schneller gewesen denn ein laufer, sie sind geflohen und haben nichts guts erlebt. Hiob 9, 25; wo viel gottlosen sind, da sind viel sünde, aber die gerechten werden iren fal erleben. spr. Sal. 29, 16; wir habens erlanget, wir habens erlebt. klagl. Jer. 2, 16; wer erlebet, das er seine feinde untergehen sihet. Sir. 25, 10; wer sein kind lieb hat, der helt es stets unter der ruten, das er hernach freude an im erlebe.» Weitere Beispiele zur Verwendung des Wortes: «er hat das siebenzigste jahr erlebt; sie hat funfzig enkel erlebt; was läszt uns gott für eine zeit erleben!; was man nicht alles erlebt!; wenn ich es nur nicht erlebe; gelinde eltern erleben ungerathne kinder; solches leid, solche schmach musz ich an meinem eignen kinde erleben!; an etwas freude erleben; das hoffe ich noch zu erleben; ich wil erleben, dasz der das haus sol von auszen ansehen (das haus räumen).»

3: Wiktionary, das freie Wörterbuch, Eintrag unter ‹erleben›: «Bedeutung: eine Erfahrung machen, bei etwas dabei sein; Synonyme: dabei sein, etwas mit ansehen, etwas erfahren; schwerer Situationen: durchmachen; Gegenwörter: verpassen; Beispiele: Ich habe noch nie erlebt, dass ein Beamter nach Dienstschluss noch arbeitet. Mit dir habe ich viel Leid, aber auch überschwängliche Freude erlebt.»

4: Die Volltextsuche nach ‹erleb› in der Einheitsübersetzung der Bibel liefert die folgenden 33 Treffer: «Das ganze Volk erlebte, wie es donnerte und blitzte, wie Hörner erklangen und der Berg rauchte. Da bekam das Volk Angst, es zitterte und hielt sich in der Ferne. (2. Mose 20,18); Denn Gott sagte: Die Leute könnten es sonst, wenn sie Krieg erleben, bereuen und nach Ägypten zurückkehren wollen. (2. Mose 13,17); um viele von euch eine große Rettungstat erleben zu lassen. (1. Mose 45,7); … und wanderten durch diese ganze große und Furcht erregende Wüste - ihr habt sie erlebt - auf dem Weg zum Amoriterbergland, wie es uns der Herr, unser Gott, befohlen hatte. (5. Mose 1,19); Das Gleiche tat er in der Wüste, du hast es selbst erlebt. (5. Mose 1,31); Jeder, der das sah, sagte: So etwas ist noch nie geschehen, so etwas hat man nicht erlebt, seit die Söhne Israels aus Ägypten heraufgezogen sind, bis zum heutigen Tag. (Ri 19,30); Wenn du aber all diese Zeichen erlebst, dann tu, was sich gerade ergibt; denn Gott ist mit dir. (1. Sam 10,7); Wegen all dem, was in diesem Schreiben stand und was sie selbst gesehen und erlebt hatten, (Est 9,26); Viele sagen: ‹Wer lässt uns Gutes erleben?› / Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten! (Ps 4,7); Wie wir's gehört hatten, so erlebten wir's jetzt (Ps 48,9); Herrschen die Frevler, dann herrscht die Sünde, / doch die Gerechten erleben ihren Sturz. (Spr 29,16); dich und dein Volk und das Haus deines Vaters, wie man sie nicht mehr erlebt hat, seit Efraim von Juda abgefallen ist. (Jes 7,17); Der Herr ist erhaben, er wohnt in der Höhe; / er wird Zion mit Recht und Gerechtigkeit erfüllen. Es wird sichere Zeiten erleben. (Jes 33,6); Ich werde deine Rache an ihnen erleben (Jer 20,12); Warum denn kam ich hervor aus dem Mutterschoß, / um nur Mühsal und Kummer zu erleben (Jer 20,18); Ich bin der Mann, der Leid erlebt hat / durch die Rute seines Grimms. (Klgl 3,1); Die Tage der Abrechnung sind gekommen, / gekommen sind die Tage der Vergeltung; / Israel wird es erleben. (Hos 9,7); Er wird mich hinausführen ins Licht, / ich werde seine Heilstat erleben. (Mi 7,9); Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben / und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung, / erhebt sich Zwietracht und Streit. (Hab 1,3); Denkt daran, was er mit Abraham machte, wie er Isaak prüfte und was Jakob im syrischen Mesopotamien erlebte, als er die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, hütete. (Jdt 8,26); Sie erlebte ein sehr hohes Alter (Jdt 16,23); … und erzählte ihm, was für wunderbare Dinge er in Medien erlebt hatte. (Tob 11,15); Einen Mann, der Freude hat an seinen Kindern, / und einen, der den Sturz seiner Feinde erlebt. (Sir 25,7); Wer seinen Sohn liebt, hält den Stock für ihn bereit, / damit er später Freude erleben kann. (Sir 30,1); Sie ist für mich zur Amme geworden; / meinem Lehrer will ich danken. Ich hatte im Sinn, Freude zu erleben, / ich strebte ohne Rast nach Glück. Ich verlangte brennend nach ihr / und wandte von ihr meinen Blick nicht ab. Ich richtete mein Verlangen auf sie… (Sir 51,17); Ach, warum bin ich geboren, dass ich erleben muss, / wie man mein Volk vernichtet / und die heilige Stadt zerstört? / Ohnmächtig musste man zusehen, / wie sie in die Gewalt ihrer Feinde geriet (Makk 2,7); … begeistert priesen sie den Herrn und lobten seine Taten. Durch seinen Schutz hatten sie diesen Tag erleben können, an dem er ihnen von neuem seine Gnade zugewandt hatte. (Makk 8,27); Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. (Lk 17,22); … begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten. (Lk 19,37); Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. (Lk 24,35); Aus diesen Versen spricht die starke Hoffnung des Paulus und der Gemeinde, die Ankunft des Herrn noch zu erleben. (1. Thess 4,15)»

PS: Diese Stellen klingt bei Martin Luther 1545 anders: «Viel sagen / Wie solt vns Dieser weisen / was gut ist? Aber HERR erhebe vber vns das Liecht deines andlitzs! Jst freundlich vnd gnedigs ansehen. (Psalter, Psalmen, Ps 4,7); Er sprach aber zu den Jüngern / Es wird die zeit komen / das jr werdet begeren zu sehen einen Tag des menschen Sons / Vnd werdet jn nicht sehen. (Lk 17,22)»

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veröffentlicht am 26.10.2016, letzte Änderung am 24.1.2017 um 10:00 Uhr

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